

Die Weberei ist ein uraltes Handwerk. Die Kultur
der Weberei im Lande heutigen Bulgariens datiert seit etwa 6000 Jahren vor Christus. Noch lange vor der
Gründung Bulgariens im Jahre 681 wurde die Webkultur der alten Traker und Schwarzmeergriechen von
den Slaven und Bulgaren im Zuge der allmählichen Velschmelzung aller vier Völker
vererbt.
Aus dieser Tradition entwickelten und bereicherten sich das Geschick und die Kunst des
Webens der Bulgaren in den folgenden Jahrhunderten unter dem Einfluss geschichtlicher Kontakten,
Invasionen und Handel.
Das Webgeschick ging in der Familie von Generation zu Generation über.
Die Töchter wuchsen neben dem Webstuhl auf. Vor der Heirat begannen die grossen Mädchen Ihre
Aussteuer selbst zu fertigen. Die Sehnsucht der Weberin nach Heimbehaglichkeit wie auch ihre eingeborene
sehöpferische Kraft brachten das Webgeschick auf die Höhe der Kunst.
Die
hausgemachteWeberei ist ein substanzieller Bestandteil der materiellen Wohnungskultur der Bulgaren bis in
den 20. Jahrhundert. Wie in den Museen findet man auch in Klostern, Kirchen und Landwirtshäusern
reichlich Muster der ausserordentlichen künstlerischen Fülle der häuslichen Weberei.
Meistens wird die häusliche Webekunst bei handgewebtem Bodenbelag und Betzeug vertreten – Teppiche,
Ziegenhaardecken u.a.
Die häusliche bulgarische Webekunst zeichnet sich durch eine
konsequente Erhaltung der herkömlichen Webemuster in Kombination mit dem ständigen
persönlichen Beitrag der Webemeisterin. Die Webstücke tragen die Anmut der unbefangenen
künstlerischen Vision.
Die Sammlung welche ich hier vorstelle besteht aus Stücken, die
vorwiegend von meinen Mutter und Grossmutter, wie auch von anderen Meisterinnen ausgearbeitet, schon
lange in den Truhen aufbewahrt werden. Die Stücke wurden in der Zeit von 1920 bis 1950 gewebt. Alle
halen bestens bewahrt und unbeschädigt die ganze Zeit überstanden.
Die Stücke sind
aus Wolle, Baumwolle, Hanf und Lappenausschnitten gewebt worden. Die Farben sind aus natürlichen und
künstlichen Farbstoffen. Die Garne sind handgespinnt mit Spinnrocken, Spindel und Pendelstange. Die
meisten Stücke wurden am waagerechten Webstuhl mit Zwirnschuss gewebt.
Ich mag die
bulgarische häusliche künstlerische Weberei und hoffe etwas dazu beibringen zu können,
dass auch andere Leute sie kennenlernen. In “Omas Truhen” liegen viele wunderbare alte Webstücke.
Ich tue gerne diesen Schatz sammeln und bekanntmachen.



